Für alle statt für wenige


Abfall formt neue Berge

Von SP Liestal, 28. Juni 2018

Stellen Sie sich vor, Sie haben eine Abmachung mit ihrem Hausbesitzer. Ihre Nachbarn haben es sich zur Gewohnheit gemacht, Altes wegzuwerfen und schöne neue Sachen zu kaufen. Ihr Hausbesitzer nimmt nun die alten Sachen entgegen und füllt damit einen Achtel ihres Gartens. Dafür geben ihm die Leute gerne etwas Geld, wenn sie dann nichts mehr mit dem Plunder zu tun haben.
Sie denken sich, es ist ja nur ein Achtel des Gartens und eigentlich noch lustig wie da ein Berg wächst, da könnte man ja mal eine Rutschbahn bauen. Alle sind zufrieden! Eines Tages stellt ihr Hausbesitzer fest, dass der Achtel nicht mehr ausreicht für sein Nebengeschäft. Er beginnt mit den Planungen. Wenn das Geschäft so weiter läuft wie bisher, würde sich eine fünffache Erweiterung der Gartenfläche lohnen. Da werden sie jetzt doch etwas hellhörig. Sollten Sie tatsächlich auf ihren Platz an der Sonne verzichten, der Ihnen so oft schon die Seele gerettet hat. Ihre Kinder schauen Sie fragend an: «Wollten wir da nicht einen Apfelbaum pflanzen?»

Aber das Geschäft floriert doch und vielleicht kann sich ihr Hausbesitzer dann auch einmal leisten, das Hausdach zu erneuern. Und wo sollen die Nachbarn und die Neuzugezogenen mit ihrem Plunder hin? Könnten sie den vielleicht doch etwas länger nutzen und auf das Neue verzichten? Könnte der Hausbesitzer sein Geschäft geschickt ausweiten indem er alte Dinge an neue Besitzer weitervermittelt, indem er die Sachen in ihre Einzelteile zerlegt und Abnehmer dafür findet? Dann müsste man den Berg im Garten nicht ganz so sehr vergrössern.

Der Hausbesitzer verspricht, die Verantwortung dafür zu übernehmen, dass nur gerade das was nun wirklich überhaupt nicht mehr nutzbar ist, im Garten vergraben wird. Mit einem Teil der Einnahmen schenkt der Hausbesitzer der Nachbarschaft eine zentrale Gartenanlage, welche von Allen genutzt und mitgestaltet werden kann, sozusagen als Ausgleich für die Gartennutzung. So scheint nun wieder Frieden eingekehrt in die kleine Nachbarschaft. Aber hin und wieder sitzen Sie auf ihrem Liegestuhl unter dem neu gepflanzten Apfelbaum und fragen sich wie viele Berge wohl gewachsen sein werden, wenn ihre Urenkel unter dem alten Apfelbaum sitzen und was sie über uns denken werden.

Dominique Meschberger, SP-Einwohnerrätin

Läbigs Lieschtel im Liestal aktuell vom Juni 2018